Kloster Deutscher Orden

Geschichte  |  


Das Kloster des Deutschen Orden gehörte zu den wichtigsten Standorten im Westen
Erzbischof Theoderich von Wied rief 1216 die Ritter des Deutschen Ordens nach Koblenz und schenkte ihnen einen Teil des Geländes der Kastorkirche mitsamt dem dort befindlichen St.-Nikolaus-Krankenhaus. Eine Motivation für die Ansiedlung des Ordens war in dessen Eignung für die Krankenpflege zu sehen.

Mitte des 13. Jahrhunderts wuchs die Bedeutung des Ritterordens in der Stadt stark an und die Ordensanlage wurde mit Unterstützung der Trierer Erzbischöfe weiter ausgebaut.
Nachdem französische Revolutionstruppen Koblenz 1794 erobert hatten, wurde das linke Rheinufer grundlegend von den Franzosen reorganisiert.
Das Einsetzen der Säkularisation ab 1802 bedeutete das Ende der kirchlichen Herrschaft und auch das Ende für die Deutschordenskommende in Koblenz. Sie wurde 1809 aufgelöst und in Privatbesitz verkauft. Nach der französischen Zeit und mit Bau der preußischen Festung Koblenz nahmen die Gebäude der Deutschordenskommende ab 1821 das Proviantmagazin auf. Im Zuge des Neubaus der Stadtbefestigung entstand an der Moselmündung vor dem Rheinbau der heute noch bestehende Kasemattenbau, der das Kreuz des Deutschen Ordens trägt.

Seit der Niederlassung des Deutschen Ordens trug das Gelände zunächst die Bezeichnung „Deutscher Ordt“ und dann den Namen „Deutsches Eck“.
Mit Bau des Kaiser-Wilhelm-I.-Denkmals 1897 verlagerte sich der Name „Deutsches Eck“ vom Gelände der Deutschordensniederlassung auf das Areal des Denkmals.
Die Mauer die das Gelände des Deutschen Orden umgab war vorher die Stadtmauer und direkt am Flußverlauf von Rhein und Mosel gelegen. Mit der Aufschüttung für das Denkmal wurde diese Grenze verlegt und das Gelände somit weiter im Landesinneren.

Im 15. Jahrhundert stieg die Bedeutung der Deutschordensniederlassung weiter an, da sie Sitz einer von vier Kammerballeien wurde, die dem Hochmeister des Ordens direkt unterstellt waren. Die Ballei Koblenz besaß weit verstreuten Landbesitz, seit 1263 auch das Dorf und die Kirche in Elsen im heutigen Rhein-Kreis Neuss. Elsen war das einzige reichsunmittelbare Territorium im Besitz der Kammerballei Koblenz. Dadurch hatte der Landkomtur ein Mitspracherecht in den Organen des Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Die Gräfin Mechthild, Witwe des Grafen Heinrich III. von Sayn (1202–1246), vermachte nach dem Tode ihres Gatten die schon bestehende Pfarrei Waldbreitbach (Kreis Neuwied) dem Deutschen Orden. Nach 1313 gelangte die Kommende Breitbach in die Zuständigkeit des Komturs zu Horneck (am Neckar). Bis zur Auflösung im Jahr 1803 verblieb die Pfarrei sodann bei der Ballei Koblenz.

Von 1897 bis 1941 beherbergte die ehemalige Anlage des Deutschen Ordens das preußische Staatsarchiv Koblenz. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Anlage bei den Luftangriffen auf Koblenz 1944 weitgehend zerstört. Danach wurde nur der Rheinbau wieder aufgebaut und von der Straßenverwaltung genutzt. Die Stadt Koblenz kaufte 1988 das Gebäude vom Land Rheinland-Pfalz und baute es von 1990 bis 1992 zum Ludwig Museum um. Im Jahr 2002 wurde auf den Ruinen des ehemaligen Archivdienerhauses ein modernes Gebäude errichtet. Während der Vorbereitung zur Ausrichtung der Bundesgartenschau 2011, das Areal ist Teil des Kernbereichs „Blumenhof am Deutschen Eck“, wurden weitere Zeugnisse des Ritterordens freigelegt und gesichert.

Das Areal der Deutschordenskommende bestand aus einem Hauptgebäude, dem Rheinbau (1279 errichtet) und mehreren Nebengebäuden, die sich hufeisenförmig um einen Hof gruppierten, der nach Süden offen war.
Dazu kam eine am Westbau angegliederte Ordenskirche, die 1306 geweiht und 1811 abgebrochen wurde.

Infolge der Zerstörungen nach den Luftangriffen auf Koblenz von 1944 und der anschließenden Abrissarbeiten haben sich von den Wohn- und Hofgebäuden nur noch Teile erhalten.
Wiederaufgebaut wurde der Ostflügel (ehemals Komturswohnung) an der Rheinseite. Dabei handelt es sich um einen dreigeschossigen Rechteckbau mit einem mehreckigen Treppenturm an der Südwestecke und steilen Schildgiebeln. Der im Erdgeschoss gelegene Saal war in der Barockzeit verändert und Ende des 19. Jahrhunderts rekonstruiert worden, nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges wurden die Innenräume modern ausgebaut. Vom Westflügel existieren noch zwei über Säulen gewölbte Erdgeschosssäle.

Von der abgerissenen Deutschordenskirche besteht noch die Südwand mit prächtigen Gewölbekonsolen.
An diese schloss sich südlich eine kleine gotische Kapelle die 1354/1355 errichtet wurde an.

Die Ruine, Teile der Außenmauern, wies in den 1960er-Jahren noch Spuren von Wandmalereien auf, die aber fast völlig verwitterten weil keine Sicherungsmaßnahmen durchgeführt wurden. Das Portal in der westlichen, zur Basilika St. Kastor führenden Begrenzungsmauer stammt von dem ehemaligen Waisenhaus, das unter Kurfürst Franz Ludwig von der Pfalz erbaut worden war.




Erstmals erstellt: 3.07.1997 Letzte Änderung:
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